Mit den Themen "Medienlandschaft in Baden-Württemberg und NRW" sowie „HDTV und die regionale
Radiolandschaft in Baden-Württemberg“ fand am 26. November 2008 der zweite Hochschulmedientag statt.
Die deutschen Hochschulen unterziehen sich einer tief greifenden Reform: Bologna bricht alte Strukturen
auf; die Exzellenzinitiative bringt den Wettbewerb zwischen den Hochschulen in Gang und setzt innovative
Kräfte frei. Diese Entwicklung geschieht auf dem Hintergrund einer digitalen Erneuerung der
Medienindustrie. Eine unglaubliche Dynamik sowohl in der Medien- als auch in der Hochschulentwicklung
schafft neue Freiräume. Hochschulen, die für die Medienindustrie ausbilden, werden zu Medienpartnern. Die
praxisorientierte Medienausbildung wird mehr und mehr durch eine technisch orientierte Medienforschung
und Formatentwicklung ergänzt.
In diesem Spannungsfeld senden die Hochschulen in Baden-Württemberg. Zunächst im Hörfunk, später
auch in Fernsehen und Internet haben sich zahlreiche Hochschulsender als Lehr- und Forschungssender
etabliert. Durch kontinuierliche Verbesserunsprozesse gilt es, diese Projekte inhaltlich und strategisch stets
aufs Neue auszurichten, zu vernetzen und zu positionieren.
Die sich daraus ergebenden Fragestellungen wurden in verschiedenen Vorträgen und Präsentationen
erörtert.
Was tut sich in Radio und TV?
Am Hochschulmedientag sprachen dieses Jahr Fachleute über aktuelle Entwicklungen in Radio und TV. Ein
Schwerpunkt war dabei HDTV und Musik im Radio. Wieso läuft da eigentlich immer das Gleiche und warum
kommen junge Bands nur schwer in Rundfunk-Playlists?
Der Hochschulmedientag an der Hochschule der Medien war dieses Jahr wieder Plattform für den Austausch
zwischen Förderern, Geförderten und Initiativgründern.
Spannung statt Powerpoint
Der Vormittag stand im Zeichen der Zusammenarbeit zwischen der LFK (Landesanstalt für Kommunikation)
und den Hochschulen, sowie den neuen Möglichkeiten im Hochschulfernsehen. Hier wurde seitens der LFK
der Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit laut. "Wir bräuchten viel mehr Infos aus der Sicht
derjenigen, die gefördert werden", so Albrecht Kutteroff von der LFK Baden-Württemberg.
Auch der Medientrainer und Journalist Karsten Kurowski machte sich stark für mehr Kommunikation. Er halte
es für besonders wichtig, dass sich Hochschulen und Ausbilder stärker miteinander befassen und
voneinander lernen. Er selbst ist neugierig auf das, was andere tun. In seinem Vortrag bezeichnete sich
Kurowski als „Schatzgräber“, da er in der Produktionsgeschichte von HD Campus, einem Fernsehkanal an
dem neun Hochschulen aus Baden-Württemberg beteiligt sind, vieles findet, das wieder neu aufbereitet und
gezeigt werden kann.
Die Studenten lernen durch die journalistische Arbeit „Spannung statt Powerpoint“, so Kurowski. Die
Medienausbildung soll spielerisch, aber mit Niveau sein und Qualitätsbewusstsein vermitteln. Durch die
Arbeit in HD Campus entsteht bereits eine Breitenwirkung: Auch Mitarbeiter medienferner Fakultäten
meldeten Interesse an dem modernen Verbreitungskanal an. Auch für die persönliche Entwicklung der
Studenten kann die Arbeit in Rundfunk und Fernsehen prägend sein.
Am Nachmittag rückte dann ein anderes Thema in den Vordergrund: Musik im Radio. Vertreter
verschiedener Institutionen waren eingeladen, die aus ihrem Arbeitsalltag berichteten. Das Stuttgarter
Hochschulradio HoRads, die Popbüros Baden-Württemberg, das Lernradio EchoFM aus Freiburg, sowie der
private Sender MotorFM wurden vorgestellt.
Immer das Gleiche: Marktforschungs-Musik
Zur Frage des Sendeprogramms herrschte dabei vor allem ein Tenor vor: Regionale Musiker sollten von den
kleinen Sendern gestützt und gefördert werden, denn die großen tun es nicht.
Das Musikprogramm der großen, staatlichen Rundfunkanstalten wird mit Marktforschungsmethoden
ermittelt. Der Sender startet hierfür eine Telefon-Umfrage in privaten Haushalten und befragt die potenziellen
Hörer nach ihren Lieblings-Hits. Diese Umfragen finden tagsüber über das Festnetz statt - und hier liegt das
Problem. Tagsüber ist nur eine bestimmte, kleine Hörergruppe zuhause zu erreichen, dazu gehören
beispielsweise Hausfrauen, Freischaffende oder auch Arbeitslose.
Die regulär arbeitende Bevölkerung, sowie Schüler oder Studenten werden also kaum in die Umfrage mit
einbezogen. Junge Menschen sind außerdem immer häufiger nicht über das Festnetz, sondern nur per
Mobiltelefon zu erreichen.
Da die Befragten außerdem in Umfragen eher Titel nennen, die sie bereits gehört haben und die ihnen
spontan einfallen, haben kleine, regionale Newcomer-Bands keine Chance in die Playlists der Sender
aufgenommen zu werden.
U-Musik ist ein Stiefkind der Förderung Während E-Musik (ernste Musik) häufiger und umfangreicher
unterstützt wird, ist die U-Musik (Unterhaltungs-Musik) ein Stiefkind der Förderung, weiß Pierre Seidel,
Vertreter der Popbüros Baden-Württemberg. In der Unterhaltungsbranche tragen oft ausschließlich
Verkaufszahlen zum Erfolg der Musiker bei. Die Popbüros beraten junge Musiker wie und ob sie sich
dennoch in den Markt integrieren können. Dazu müssen die Musiker ihre Musik aber auch verkaufen wollen,
so Seidel. Sie könnten den Sendern beispielsweise durch speziell konzipierte Songs entgegenkommen. Am
wichtigsten aber ist es, sich überhaupt zu bewerben: Viele junge Musiker trauen sich von Anfang an die
Aufnahme in die Playlists großer Sender nicht zu.
Dass es auch noch andere Möglichkeiten für alternative Radioprogramme gibt, zeigt Markus Kühn, eines der
Gründungsmitglieder von MotorFM. In seinem privaten Sender läuft in Berlin und Stuttgart keine
Marktforschungs-Musik.
Das MotorFM Team stellt sein Musikprogramm selbst zusammen, ganz subjektiv nach eigenen
Geschmacks- und Bewertungskriterien und das mit Erfolg! MotorFM finanziert sich über Werbung oder
Werbeaktionen und kann immerhin schon ca. 10% der Bevölkerung im Sendegebiet zu seinen Hörern
zählen.
Mal was Anderes: Musik in Hochschulradios
Auch die Hochschulradios möchten in puncto Musik eigene Wege gehen. HoRads aus Stuttgart und EchoFM
aus Freiburg spielen Neues, Unbekanntes, Regionales. „Britney Spears wird man bei uns bestimmt nicht
hören“ sagt Rudolf Dreier, der EchoFM ins Leben rief. Neben einem wildgemischten Musikprogramm bietet
„sein“ Radiosender auch inhaltlich Neues. Dazu zählt beispielsweise ein Patientenradio in Zusammenarbeit
mit den Uni-Kliniken in Freiburg. Das Stuttgarter Hochschulradio HoRadS kann von sich sagen, dass es
keine Musikrichtung aus dem Programm ausschließt. Sowohl Musiker als auch Hörer können sich über
diesen Umstand freuen, denn hier ist für jeden was dabei. Im Idealfall kommt zur Musik noch der passende
Veranstaltungstipp in den vier Live-Sende-Stunden morgens ab acht Uhr.
Für junge, ambitionierte Bands besteht als noch Hoffnung: Die kleinen Sender und Einrichtungen wie die
Popbüros greifen ihnen unter die Arme und bieten ihnen ein Sprungbrett. Hoffen wir, dass viele es nutzen
werden!
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